Static-X - Cult Of Static

Static-X - Cult Of Static

Auch im zehnten Jahr der Reise fährt Wayne Static mit seiner „Evil Disco“-Formation STATIC-X ein wahres Brett.

Viel hat sich in dieser Zeit an ihrer Musik nicht unbedingt verändert – oberflächlich gesehen, denn der Teufel der Entwicklung sitzt bei STATIC-X mehr im Detail. Über 3 Millionen verkaufte STATIC-X-Alben und eine der treuesten Fancrowds des US-Underground geben der Band dabei Recht, und wer von ihrem sechsten Album etwas anderes erwartet hat als punktgenaue und knackige Riffs, der liegt klar daneben. Und trotzdem ist auch Cult Of Static wieder etwas anders geworden als die Vorgänger – und das liegt nicht nur daran, dass Wayne Static diesmal einen legendären Kollegen ins Studio geholt hat. Niemand geringeres als Dave Mustaine von Megadeth prügelt ein paar peitschende Soli aus seinem Instrument.

 

Für Wayne Static ist Cult Of Static ein Statement: „Unser Sound entwickelt sich immer weiter,“ so der Mann mit der senkrechten Vertikalfrisur. „Cult Of Static besitzt mehr Tiefe als die vorhergehenden Alben. Auf Cannibal versuchte ich, die Dinge zu vereinfachen, auf diesem Album wollte ich die Musik in mehreren Schichten aufbauen und damit mehr Atmosphäre schaffen. Es ist zwar genau so heavy wie Cannibal, aber auch etwas großspuriger. Es hat einige wirklich epische Momente. Trotz einiger ziemlich heftiger Tracks kann man auch gut unterm Kopfhörer chillen. Mir geht es eigentlich immer um die Balance zwischen treibenden Songs und verträumten, elektronischen Passagen. Man kann darin ziemlich gut abtauchen.“ Wohl wahr, denn ein Song wie das sechsminütige Tera-fied öffnet alle Wege ins Delirium, indem es einen großen Bogen von vampirhafter Trance über knarztrockenen Metal schlägt, der von Waynes charakteristischem Growl begleitet wird.

 

Natürlich steckt auch Cult Of Static voller klassischer Evil-Disco-Beats, die auf konzentrierte 4/4-Takte bauen und mit jeder Menge elektronischer Soundgimmicks umschwärmt werden. Etwa bei Hypure und You Am I, deren präzise Grooves mit kybernetischem Puls vorangetrieben werden. Gitarrist Koichi Fukada genießt seine mittlerweile zahlreichen Soloeinlagen, Tony Campos bearbeitet seinen Bass mit äußerster Strenge und Drummer Nick Oshiro treibt das alles mit unaufhaltsamen Drums an. Überraschend sind Songs wie Terminal und Z28, deren Sound mit einer für STATIC-X ungewöhnlichen Punk-Rock-Ästhetik daherkommt, die von dem ebenfalls leicht trancigen Grind 2 Halt kontrastiert werden.

 

Bereits durchgesickert dürfte Lunatic sein, das seinen Weg auf den Punisher: War Zone-Soundtrack fand, aber nur in der Albumversion mit Mustaines brillantem Solo angereichert ist. „Ich bin seit etlichen Jahren ein großer Megadeth-Fan“, erklärt Wayne. „Wir sind zweimal mit ihnen auf Tour gewesen. Dave und ich lernten uns auf Tour kennen. Sein Lead-Stil dürfte einer der eigenwilligsten sein, die man finden kann. Wenn er ein Solo spielt, hörst du sofort, wer dahinter steckt.“

 

Cult Of Static entstand in Co-Produktion von Wayne Static und John Travis (Kid Rock, Buckcherry, Social Distortion) in Waynes neuem Heimstudio. „Zuhause zu arbeiten hat mit die Freiheit gegeben, mich wann immer ich will ans Equipment zu setzen. Ich konnte in meinem eigenen Tempo schreiben, und das ist viel angenehmer. Der größte Teil der Songs entstand zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens. Cult Of Static dürfte auch mein persönlichstes Album sein. Da ich im vorletzten Jahr geheiratet habe, waren die letzten Monate voller Emotionen, und ein Album reflektiert immer den Punkt, an dem du gerade stehst. Ich hatte eine wirklich inspirierende Zeit Wir spielten das OZZfest 2007, Gigantour und absolvierten zwei Headliner-Tourneen. Aber ich bin ein Workaholic, ich nehme mir nie frei. Im Moment schreibe ich schon am nächsten Album, das ist der Preis.“

 

Dass STATIC-X hierzulande noch immer ein ausgesprochenes Schattendasein führen, ist auch darauf zurückzuführen, dass es die Band nur sehr selten nach Europa verschlägt. Wer trotzdem einen Eindruck bekommen möchte, dem sei notfalls die im letzten Jahr erschienene Live-DVD Cannibal Killers ans Herz gelegt. „Ich bin ein großer Freund von Unterhaltung“, so Wayne zu den hochenergetischen Gigs der Band. „Unsere Shows haben immer eine gewisse Party-Atmosphäre. Wir fühlen uns gut und laden das Publikum ein, mitzufeiern. Ich will, dass die Leute während eines STATIC-X-Gigs alles vergessen.“

 

Der Titel des Albums ist dabei ein augenzwinkerndes „Dankeschön“ an die Fans, die die Band seit nunmehr zehn Jahren begleiten. „Unsere Fans sind so loyal, dass ich das alles scherzhaft einen „Kult“ nenne. Wir sind jetzt seit zehn Jahren dabei, und da dachte ich mir, ich kann es mir mal erlauben, ein Album so zu nennen. Allein die Fans haben uns zu einer der größten derzeitigen Underground-Bands in den USA gemacht.“

 

Dass nicht jeder mit der auf das Wesentliche konzentrierten Energie STATIC-X’ klarkommt, weiß auch Wayne: „Wir gehören zu den Bands, die man entweder liebt oder nicht ausstehen kann“, schließt er. „Da gibt es nichts dazwischen. Unsere Fans werden Cult Of Static lieben. It makes you want to drive fast. It makes you want to fuck. It makes you want to fight. It makes you want to feel.

Es ist noch Platz im Cult Of Static. Jeder ist willkommen.

© WMGG/tbe 1-09

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