Jesus and Mary Chain /Interview Jim Reid 01-2017

1. Generic     ID: This is Jim Reid of The Jesus And Mary Chain. This is a track from     „Damage And Joy”, our new album. Come see us play on our new tour.

1. Albumtitel: Der Albumtitel „Damage And Joy“     heißt ungefähr soviel wie Schadenfreude. Das soll man nicht wörtlich nehmen, das Album heißt nicht     „Schadenfreude“ (sagt JR auf Deutsch). Wir freuen uns nicht über das Elend     anderer Leute. Es bedeutet nur, dass wir Schaden und Freude bringen.

1. Zwischenzeit: Warum hat es trotz der     Wiedervereinigung 2007 zehn Jahre gedauert bis ein neues Album aufgenommen     und veröffentlicht wurde?     Wir haben hier und dort live gespielt,     und schon länger vorgehabt, ein Album aufzunehmen. Aber wir waren uns     nicht einig, wo und wann aufgenommen werden sollte, so ging die Zeit ins     Land. Schließlich sagten wir uns: Wir werden auch nicht jünger, entweder     jetzt oder nie!

1. Alles neu? Sind die 14 Titel des neuen Albums     über diese Jahre entstanden oder erst in jüngster Zeit? Beides, einige Songs sind schon älter,     andere frisch. Die Titel umspannen die ganze Zeit seit der ersten     Auflösung der Band.

1. „Amputation“: In dem Text heißt es, dass ihr     euch wie amputiert gefühlt habt. Wie ist das gemeint? Es gab eine Zeit, in der ich mich wie     im Exil gefühlt habe. Niemand hat nach uns gefragt, wir bekamen auch keine     Gigs. Da fühlte ich mich wie abgeschnitten! Auch im Radio fanden wir nicht     mehr statt, wenn du dir eine band ansehen wolltest, konntest du sicher     sein, dass sie nicht zu ertragen war. Deshalb fühlten wir uns wie     „Rock´n´Roll amputations“

1. „All Things Must Pass“: Der Titel wurde schon     früher einmal auf dem Soundtrack zu „Heroes“ veröffentlicht! Ich kenne den Film gar nicht, aber     mein Bruder schaut alles, was im Fernsehen läuft. Wir hatten das Gefühl,     ihn zuvor nie auf den Punkt gebracht zu haben.

1. Trademark: The Jesus and Mary Chain haben immer     gute Melodien mit krachenden Sounds kombiniert. Ist das auch das     Markenzeichen der Band? Ich     weiß nicht so genau, was unser Markenzeichen ist. Es ging uns immer schon     um die Songs. Ich bin kein Showman, wie etwa die Rolling Stones. Damit     will ich nichts gegen diese Bands sagen, nur waren wir immer schon etwas     anders. Aber gute Melodien waren uns schon immer wichtig.

1. Kontext: Wie würdet ihr das neue Album innerhalb     der Bandgeschichte einordnen? Ich     analysiere unsere Musik nicht nach solchen Maßstäben. Oft gehen wir ins     Studio, spielen auf unseren Gitarren und daraus entwickelt sich ein Song. Es     gibt kein Korsett, im Studio ist alles erlaubt. Selbst wenn wir eine     Grundidee haben, kann sich noch ein anderes Arrangement entwickeln.

1. Aufnahmen: Habt ihr die Titel live im Studio     eingespielt? Nein, das tun wir     nie. Anfangs sind nur William und ich involviert, dann kommen die anderen     dazu.

1. Aufnahmestudios: Ihr habt an verschiedenen Orten     aufgenommen. Wie wichtig ist ein bestimmtes Studio für den Sound? Ich denke, die Bedeutung eines Studios     wird überbewertet. Für mich jedenfalls ist es ein Raum mit der nötigen     technischen Ausrüstung, die ich für meine Arbeit brauche. Der Löwenanteil     des Albums wurde in Spanien aufgenommen, in Dublin haben wir dann einige     Tracks abgemischt.

1. Produzent Youth: Wie wichtig war euer Produzent     bei der Aufnahme?  Youth hat einen guten Job gemacht.     Eigentlich hatten wir ihn engagiert, damit er wie ein Schiedsrichter     verhindert, dass Schlimmes zwischen mir und meinem Bruder passiert. Dann     aber lief es viel besser als wir befürchtet hatten. Wir kamen sogar ganz     gut miteinander aus, und vielleicht kommt da ja noch mehr.

1. Bruderzwist: Die früheren Streits mit Bruder     William sind legendär. Kommt ihr jetzt besser klar? Wir haben tatsächlich viel gestritten.     Eine Band zu haben ist an sich schon schwer. Wenn man die Gruppe auflöst,     geht man seiner Wege und man sieht sich vielleicht nie wieder. Wenn man aber     ein Brüderpaar ist, dann ist man noch miteinander verbandelt, wenn man     nicht mehr zusammen spielt. Als sich The Jesus & Mary Chain 1997     trennte, gab es noch diese Verletzungen.

1. Tour / Repertoire: Im Frühjahr werdet ihr euch     wieder live präsentieren. Was wird live zu hören sein? Wir werden nicht das ganze neue Album     spielen, schließlich sind die Leute noch nicht damit vertraut. Also werden     wir einen Mix aus neuem und altem Material spielen. „Amputation“ hatten     wir früher schon im Programm, aber das Meiste ist auch für uns neu.

1. Journalisten: Ist es wahr, dass ihr euch     deswegen rüpelhaft gegenüber manchen Journalisten verhalten habt? Ich kann mich nicht daran erinnern,     einen Journalisten verprügelt zu haben. Aber wir waren unerfahren, und ich     war immer scheu und hatte mit mir selbst genug zu tun. Wehe, wenn jemand     auf der Bühne erschien, der dort nichts zu suchen hatte. Oft ging es bei     uns drunter und drüber. Manchmal sang ich ein Stück und hatte plötzlich     den Eindruck, dass die anderen Jungs gleichzeitig einen anderen Titel     spielten.

1. Publikum: Die Auftritte dauerten anfangs nur     höchstens 20 Minuten. Wie hat das Publikum reagiert? Sie erwarteten nichts Anderes von uns!     Wir haben kein konventionelles Rockkonzert geboten und auch keine hohen     Eintrittspreise verlangt. Wir kamen wie eine Explosion auf die Bühne und     verschwanden wieder. Eine Explosion dauert nun mal keine eineinhalb     Stunden, das wäre eher verwirrend gewesen!

1. Shoegazing: Ihr werdet oft als die Mitbegründer     des so genannten „Shoegazing“ bezeichnet. Ach, das ist so ein Ausdruck, den sich ein Redakteur ausgedacht     hat. Tatsache ist, dass sich mancher Musiker der Zeit, und auch ich mich     anfangs nie wohl gefühlt habe im Scheinwerferlicht. So haben wir auf     unsere Instrumente geschaut, bis der Auftritt vorbei war.

1. Record Companies: Gab es jemals Unstimmigkeiten     mit eurer Plattenfirma? Ja, es     gab sicher Reibereien, aber wir haben uns eigentlich nie reinreden lassen     und selber entschieden, was z.B. als Single erscheinen sollte.

1. Cover versions: The Jesus And Mary Chain haben     früher gerne auch Fremdkompositionen gespielt! Grundvoraussetzung war, dass wir den Song mochten, dann aber haben     wir ihn ganz anders gespielt als das Original klingt. Sonst hätte es auch     keinen Sinn gemacht. „Who Do You Love“, „Tower Of Song“ oder „Surfing USA“     hat nichts mit der ursprünglichen Version zu tun.

1. Deutsche Einflüsse: gab es Einflüsse deutscher     Bands? Oh ja, wir haben     „Mushroom“ von Can sogar gecovert, aber natürlich auch verfremdet. Wir     wussten ja auch, dass wir die Originale nicht verbessern konnten. Auch die     Einstürzenden Neubauten und Kraftwerk sind bedeutend!

1. Videos: In eurer frühen Zeit hatte MTV einen     großen Einfluss, Wie wichtig waren und sind Videos? Damals wurde unglaublich viel Geld für ein     Promo Video ausgegeben. Diese Zeiten sind vorbei. Ich weiß nicht, ob Madonna     das vielleicht auch heute noch tut. Jedenfalls verkauften MTV und die     Videos das Album einer Band. Ich denke, auch wir haben gute Videos     produziert. Für andere Bands aber wurden Videos wichtiger als die Musik!     Dafür habe ich MTV gehasst. Die Musik sollte doch die Hauptsache sein! Ich     fragte mich manchmal, ob gute Musik eine Chance gehabt hätte ohne ein     spektakuläres Video. Wäre „Astral Weeks“ (von Van Morrison) in dieser Zeit     ein Erfolg geworden wäre.

1. Einflüsse: Es ist erstaunlich, dass du van     Morrison erwähnst! Ich habe     schon immer auch andere Musik gehört, und nur unterschieden, ob sie gut     oder schlecht ist. Die Einteilung in andere Kategorien ist Unsinn. Und     „Astral Weeks“ ist definitiv großartig.

1. Debütalbum: Euer Debütalbum „Psychocandy“ lässt     solche Einflüsse nicht erkennen, gilt aber bis heute als ein echtes     Statement. Findest du es rückblickend gelungen? Es ist so perfekt, wie wir es zur     damaligen Zeit machen konnten. Natürlich haben sich die Zeiten geändert,     auch wir haben uns geändert. Natürlich würden die Songs anders klingen,     wenn wir sie heute aufnehmen würden. Aber ich weiß, warum sie so klingen,     wie sie klingen. Und es hat uns ermöglicht noch drei Jahrzehnte später hier     zu sitzen und sich zu unterhalten!

Danke dafür!

Quelle: http://www.warnermedia.de

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