The Velvet Underground

The Velvet Underground

(VU) war eine experimentelle Rockband aus den 1960er- und frühen 1970er-Jahren. In ihrer Anfangsformation bestand sie aus Lou Reed (Gitarre, Gesang), John Cale (Bass, Viola, Keyboard und Gesang), Maureen Tucker (Schlagzeug) und Sterling Morrison (Gitarre), auf dem Debütalbum durch Nico (Gesang) ergänzt.

Bekannt wurde die Band als Protégées von Andy Warhol, der auch ihr Debütalbum produzierte. Mit ihren provokanten Texten über Sadomasochismus, Transvestitismus und Drogensucht blieb sie während ihres Bestehens kommerziell erfolglos, wird heute jedoch als einflussreicher Vorreiter experimenteller Rockmusik angesehen.

 

Bandgeschichte

Vorgeschichte (1964–1965)

Die Gründungsgeschichte der Band reicht zurück bis ins Jahr 1964. Der Sänger, Songwriter und Gitarrist Lou Reed hatte gerade eine kurzlebige Garagenband gegründet und arbeitete als Texter für Pickwick Records. Den Job bezeichnete Reed als “a poor man’s Carole King” (deutsch: „eine Carole King für Arme“).

Bald traf Reed auf John Cale, einen jungen Waliser, der in die USA gezogen war, um klassische Musik zu studieren. Cale verfügte über eine klassische Kompositionsausbildung, hatte bereits mit Musikern der Neuen Improvisationsmusik wie John Cage oder La Monte Young zusammengearbeitet und war ebenso wie Reed an Rockmusik interessiert. Der Einfluss von La Monte Young und dessen als „Drones“ (Dröhnen, Brummen) bezeichneten Kadenzen auf den Sound von Velvet Underground sowie Cales und Reeds spätere Solokarrieren waren erheblich. Cale war überrascht, in Reed jemanden gefunden zu haben, der wie er ein offenes Ohr für Experimente hatte: Reed stimmte seine Gitarrensaiten oft alle auf dieselbe Tonlage und erzielte damit den „Drone“-Effekt. Die beiden jammten immer häufiger zusammen, und es entstand eine kreative Partnerschaft, die bereits die Richtung für das spätere Bandprojekt The Velvet Underground vorgab.

Gründung

Reeds erste Gruppe zusammen mit Cale nannte sich The Primitives. Verstärkt durch Reeds früheren Studienkollegen, den Gitarristen Sterling Morrison, und Angus MacLise am Schlagzeug nahmen sie das Reed-Stück The Ostrich als Single auf. Das Quartett tingelte anfangs durch kleine New Yorker Klubs und Kneipen und nannte sich anschließend noch The Warlocks und The Falling Spikes. Der Stil der Gruppe war zunächst eher dem Rock ’n’ Roll zuzuordnen. John Cale beschrieb diese Vorgeschichte und Entstehungsphase der späteren VU als „Reminiszenz an die Beatnik-Poetik mit Angus MacLise als lockeren Rhythmusdrummer hinter all den Gitarren- und Bassattacken.“ Reed, Cale und Morrison nahmen ein Demotape auf, das Cale auf einer Englandreise Marianne Faithfull in der Hoffnung gab, sie würde es Mick Jagger zuleiten. Daraus wurde jedoch nichts, und so sollte das gesamte unveröffentlichte Bandmaterial im Archiv verschwinden, um erst dreißig Jahre später auf einer Kompilation veröffentlicht zu werden.

Angus MacLise spielte nur noch kurzfristig in dieser Band mit; als sie im Sommer 1965 ein von Al Aronowitz, ihrem damaligen Manager, vermitteltes Angebot für ihren ersten bezahlten Auftritt annahm, gab er seinen Ausstieg bekannt, weil er eine Kommerzialisierung der Band befürchtete.

MacLises Nachfolgerin am Schlagzeug, Maureen Tucker, kam durch Sterling Morrison, mit dem sie befreundet war, in die Band und beeindruckte durch ihr ungewöhnliches Schlagzeugspiel: Sie spielte im Stehen, benutzte für die Bassdrum keine Fußmaschine und hatte eine eigene Anordnung der Schlaginstrumente; überdies legte sie gern ein Tamburin auf ihre Snaredrum. Tucker war zudem eine der ersten Schlagzeugerinnen der Rockgeschichte. Angus McLise kehrte später noch einmal für kurze Zeit als Ersatzmann zu The Velvet Underground zurück, als Reed an Hepatitis erkrankte; Tucker übernahm in dieser Zeit den Bass.

Entstehung des Bandnamens

„The Velvet Underground“ war ein Buch von Michael Leigh, das von Sadomasochismus und dem abseitigen Sexualleben der amerikanischen Mittelschicht handelte. Reed hatte es beim Umzug in sein New Yorker Appartement im Müll seines Vormieters gefunden. Bei der Wahl des Gruppennamens dachten Reed und Morrison jedoch weniger an die Thematik von Leighs Buch als vielmehr an die zu dieser Zeit gerade angesagten Undergroundfilme, überdies passte der Name zu Reeds bereits fertiggestelltem Song Venus In Furs (in Anspielung auf den gleichnamigen sadomasochistischen Roman „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch). Alle Bandmitglieder waren mit dem Namen einverstanden, und so wurde der Buchtitel umgehend der neue Name für das neue Bandprojekt. Der Gitarrist Sterling Morrison dazu:

„Immer wenn ich das Wort ‚Underground‘ höre, fühle ich mich an diese Zeit in den frühen Sechzigern erinnert, als dieser Begriff zum ersten Mal eine spezielle Bedeutung annahm. Damit waren Undergroundfilme gemeint und die Leute, die diese Kunstform produzierten und unterstützten. Und derjenige, der mich mit dieser Szene bekanntmachte, war Piero Heliczer, ein lupenreiner ‚Underground-Filmemacher‘, der erste, den ich kennenlernte […] Endlich hatten wir einen Namen! Und aufgegriffen und für gut befunden wurde er von uns nicht nur wegen der Sadomaso-Thematik, sondern weil der Begriff auf unsere Tätigkeit im Undergroundfilm und in der Kunstszene verwies.“

Ihr erstes Konzert unter dem Namen The Velvet Underground gab die Band am 11. Dezember 1965 an der Summit High School in New York.

Karriere

Der Aufstieg der Band begann, als die Filmemacherin Barbara Rubin kurz vor Weihnachten 1965 im Cafe Bizarre im Greenwich Village auf die Gruppe aufmerksam wurde und dem Pop-Art-Künstler Andy Warhol davon erzählte. Warhol war gerade auf der Suche nach einer Band für seinen neu gegründeten Club „Andy Warhol’s Up“. Wenig später besuchten Rubin und Warhol in Begleitung von Gerard Malanga, Paul Morrissey und Edie Sedgwick das Lokal, um sich die Gruppe anzusehen. Warhol war auf Anhieb von der skurrilen Band begeistert, da die „Velvets” es sich zur Angewohnheit gemacht hatten, stoisch mit dem Rücken zum Publikum zu spielen. „Wir gingen definitiv nach draußen, um zu beleidigen, da war eine gewisse Grenze, uns war das Publikum scheißegal, wir drehten ihm den Rücken zu“, sagte John Cale in einem späteren Interview. Da Warhol stets von Kuriosität fasziniert war und die „Velvets” mit all ihrer in Kakophonie verwobenen Lyrik wie eine finstere Nemesis auftraten, engagierte er die Band für sein neues Multimediaprojekt „Exploding Plastic Inevitable” (E.P.I.).

 

Discografie:

Albums

Velvet Underground, The & Nico (3)The Velvet Underground & Nico ◄ (91 versions)

Verve Records 1967

White Light/White Heat

◄ (50 versions)

Verve Records 1968

The Velvet Underground

◄ (32 versions)

MGM Records 1969

Loaded

◄ (33 versions)

Cotillion 1970

Live At Max’s Kansas City

◄ (23 versions)

Cotillion 1972

Squeeze

◄ (6 versions)

Polydor 1972

1969 Velvet Underground Live With Lou Reed

◄ (18 versions)

Mercury 1974

VU

◄ (20 versions)

Verve Records 1984

Another View

◄ (13 versions)

Verve Records 1986

1969 – Velvet Underground Live With Lou Reed – Volume 1

◄ (7 versions)

Mercury 1988

1969 – Velvet Underground Live With Lou Reed – Volume 2

◄ (7 versions)

Mercury 1988

Live MCMXCIII

◄ (11 versions)

Sire, Warner Bros. Records 1993

Final V.U. 1971-1973

(4xCD + Box)

Captain Trip Records 2001

The Quine Tapes

◄ (3 versions)

Sundazed Music 2010

La Cave 1968 / Problems In Urban Living

◄ (2 versions)

Keyhole Records 2012

Scepter Studios Sessions

(LP, Ltd)

Polydor 2012

 

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