X-MEN: DARK PHOENIX

Simon Kinberg ist als Regisseur und Drehbuchautor der Mann, der den bis dato radikalsten X-Men-Film in Szene gesetzt hat: X-MEN: DARK PHOENIX („X-Men: Dark Phoenix“, 2019) erzählt die ikonische Geschichte von Jean Greys Transformation. Sie verwandelt sich von einer hochbegabten Mutantin zur mächtigsten Kraft im Universum. Fast zwei Jahrzehnte hat es gedauert, bis es zu diesem Höhepunkt der Superheldensaga kam. Der spektakuläre neue Blockbuster ist gleichermaßen Science-Fiction-Thriller und von seinen Figuren getriebenes Drama, das sich mit faszinierenden Fragen auseinandersetzt – denen nach unserer Identität und unserem Schicksal.

X-MEN: DARK PHOENIX ist die hoch emotionale Geschichte einer gespaltenen Heldin, einer gespaltenen Familie und einer gespalteten Welt. Die Hauptrollen spielen James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult, Sophie Turner, Tye Sheridan, Alexandra Shipp und Jessica Chastain. Simon Kinberg zeichnet als Regisseur und Drehbuchautor. Als Produzenten firmieren Simon Kinberg, p.g.a., Hutch Parker, p.g.a., Lauren Shuler Donner und Todd Hallowell.

X-MEN: DARK PHOENIX: DIE WAHRE KRÖNUNG DER X-MEN-SAGA

Was tut man, wenn die Person, die man am meisten liebt, zur größten Gefahr für die Welt wird?

Diese Frage steht im Zentrum der Dark Phoenix-Saga, Teil der seit Dekaden populären X-Men-Comics. 1980 erschien der vom einschlägig bekannten Chris Claremont geschriebene und John Byrne illustrierte Band, der prototypisch für die X-Men-Geschichten steht: Jean Grey wird darin in eine Macht verwandelt, die nicht einmal ihre Mutantenfamilie versteht. Sie wird zur Außenseiterin unter Außenseitern, einem Wesen, zu dem selbst ihre engsten Vertrauten keinen Zugang finden.

„Die Dark Phoenix-Saga gehört zu den beliebtesten Storys der X-Men-Serie, weil es hier keine Helden und keine Schurken gibt. Die typische Schwarz-Weiß-Zeichnung existiert nicht”, erläutert Simon Kinberg.

Kinberg, ein eingefleischter Comic-Fan, empfand es als überaus wichtig, die Dark Phoenix-Saga auf der Leinwand entsprechend der Vorlage korrekt und respektvoll widerzugeben. Seit 2006, seit X-MEN: THE LAST STAND („X-Men: Der letzte Widerstand”), ist der Drehbuchautor und Regisseur an der Franchise beteiligt – sei es als Autor und/oder Produzent. Schon im Abenteuer von 2006 finden sich Aspekte der Dark Phoenix-Story. Aber nun, gut eine Dekade später, war die Zeit reif für eine dunklere, härtere und werkgetreuere Adaption dieses Stoffes, die die Krönung von fast zwanzig Jahren Superheldenfilmen darstellen sollte. Kinberg schrieb dazu nicht nur das Skript, sondern nahm zugleich erstmals auf dem Regiestuhl Platz.

Im Kern handelt es sich hier um die Geschichte einer Frau, die mit ihren persönlichen Dämonen ringt. Und nur die Liebe ihrer Familie – in diesem Fall die X-Men – kann ihre Seele und somit die Welt retten. „Dieser Film weicht grundlegend von den vorangegangenen X-Men-Abenteuern ab”, weiß Kinberg. „Das Ausgangsmaterial unterscheidet sich von den Vorlagen, die wir in der Vergangenheit adaptiert haben. Es ist psychologisch komplexer, emotional brisanter. Die Gefühle spielen hier eine wichtigere Rolle als in den anderen X-Men-Comics.”

Bei seinem Vorhaben, einen von den Figuren angetriebenen X-Men-Film zu realisieren, fand Kinberg einen idealen Partner: Hutch Parker. Der Produzent war von Anbeginn an an der Franchise beteiligt, zunächst als Manager bei 20th Century Fox, später dann – ab 2013 bei THE WOLVERINE („Wolverine: Weg des Kriegers“) – als Produzent. „X-MEN: DARK PHOENIX bot die Möglichkeit etwas Einzigartiges zu schaffen, etwas, das bei den früheren Filmen noch nicht möglich war”, sagt Parker. „Dieser Film setzt sich genauer mit der Figur von Jean auseinander, dringt tiefer in ihre Psyche ein. So fühlt er sich anders an, in Sachen Tonalität und auch in der Art der Leinwandumsetzung. Diesbezüglich haben wir uns ganz der Story angepasst.”

Die Handlung von X-MEN: DARK PHOENIX setzt 1992 ein. Die X-Men sind allseits beliebte Superhelden, sie genießen Star-Status. Die U.S.-Regierung engagiert sie für eine Rettungsmission im All, um Astronauten zu retten, die in Lebensgefahr schweben. Trotz aller Einwände von Raven (Jennifer Lawrence) besteigt das Team den X-Jet und macht sich ins Weltall auf. Dort, zwischen den Sternen, nimmt ein mysteriöses kosmisches Wesen Jean Grey (Sophie Turner) ins Visier. Zuerst überwältigt es sie, trachtet ihr scheinbar nach dem Leben. Aber Jean ist nicht tot. Als sie wiedererwacht, fühlt sie sich stark und voller neuer Energie. Zurück auf der Erde stellt sie fest, dass sie nun über Kräfte verfügt, die sie nicht begreift – und auch nicht zu kontrollieren versteht.

Während sie Geheimnissen ihrer Vergangenheit auf die Spur kommt – Geheimnisse, die ihr Charles Xavier (James McAvoy) verschwiegen hat – wird sie zunehmend aggressiver und zerstörerischer. Ihre Wut und Verzweiflung lässt sie ausgerechnet an all jenen aus, die ihr am nächsten stehen. „Nach ihrer Rückkehr aus dem All wohnt eine Macht in Jean inne, die sie nicht zu beherrschen vermag. Alle ihre Sinne sind intensiviert, alle Aspekte ihrer Persönlichkeit extrem verstärkt. Jean ist überfordert”, sagt Kinberg. „Sie ist mächtiger, emotionaler und wütender – sprich leidenschaftlicher.”

Um Jean wieder zu ihrem Gleichgewicht zu verhelfen, springt ihr Raven zur Seite – als Mentorin, als Freundin. Aber Jean will sich nicht helfen lassen, wendet ihre Wut gegen Raven und tötet sie. Diese schreckliche Tat spaltet die X-Men. Einige Mutanten meinen, dass sie alles tun müssen, um ihrer Freundin zu helfen, andere hingegen sind der Überzeugung, dass sie unbedingt gestoppt werden muss, ehe es noch weitere Opfer zu beklagen gilt.

„Was mich bei dieser Story so anspricht, ist der menschliche Aspekt. Es geht um jemanden, den man liebt und psychologisch zu begreifen versucht”, sagt Kinberg. „Es ist wie im richtigen Leben, wenn Menschen sich selbst verlieren und ihre Angehörigen und Freunde versuchen, ihnen zu helfen bzw. sie zu retten. Manchmal wird man von ihnen mit zu Boden gezogen, andere wiederum geben einfach auf. Dieses zentrale Sujet behandelt unser Film: Überlässt man jemanden, den man liebt, einfach seinem Schicksal oder versucht man alles, um ihn zu retten.”

Vor mehr als drei Jahren begann Kinberg darüber nachzudenken, wie die ultimative Version der Dark Phoenix-Saga aussehen bzw. umgesetzt werden müsse. Zu diesem Zeitpunkt näherte man sich 2016 der Fertigstellung von X-MEN: APOCALYPSE („X-Men: Apocalypse”). Das Katastrophenepos bestach durch aufwändige Schauwerte und spektakuläre Effekte – was wenig Raum ließ, um die Mutanten und ihre Beziehung zueinander zu erforschen. Man stand also vor der Frage, was man nach so einem Blockbuster in Sachen Stil ändern sollte und konnte. Kinberg entschied sich für eine komplett andere Gangart.

„Mir fehlte in gewisser Weise die sorgfältige Figurenzeichnung anderer X-Men-Filme”, sagt er. „Ich wollte etwas Erdverbundeneres haben.”

Die X-Men-Franchise war da längst an einem Punkt angekommen, wo man sich aussuchen konnte, wie sich die Serie weiterentwickeln sollte. Weniger Stilisierung, mehr Wagemut… was auch immer. Comicadaptionen hatten längst bewiesen, dass innerhalb der Genregrenzen auch substantielle Themen abgehandelt werden konnten. Inklusive tiefer gehender Figurenzeichnungen – und ohne um die Massenkompatibilität zu fürchten. Der Unterhaltungsfaktor würde immer gleich hoch bleiben. Zum Beweis muss man nur LOGAN („Logan: The Wolverine”) aus dem Jahr 2017 anführen. Der für einen Academy Award® nominierte Hugh Jackman schlüpfte noch einmal in den Titelpart von THE WOLVERINE. Ein letztes Mal, in einem Abenteuer mit einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren und einer selbstständigen Story um Aufopferung und Erlösung.

„LOGAN, das steht außer Frage, ist der Beweis dafür, dass man diese Art von Filmen durchaus auch als Drama fürs Comic-Publikum aufbereiten kann – mit einem gewissen Zugewinn sogar”, weiß Parker.

Es kam sogar noch ein weiterer neuer Aspekt hinzu: Das erste Mal spielt eine Frau in einem X-Men-Film die Hauptrolle. Den Frauen kam in den X-Men-Abenteuern – von Power-Frauen wie Famke Janssen und Halle Berry verkörpert – seit jeher eine wichtige Bedeutung zu. Sie waren kompliziert, dynamisch und verfolgten eigene Ziele, standen aber nie wirklich im Fokus. Jetzt endlich, nach fast 20 Jahren, steht in X-MEN: DARK PHOENIX Jean Grey im Mittelpunkt – unterstützt von Geschlechtsgenossinnen wie Jennifer Lawrence als Raven und Jessica Chastain als Smith, einer neuen niederträchtigen Figur, die Jean dazu ermutigt, ihre Menschlichkeit zu vergessen und ihren dunkelsten Trieben nachzugeben.

„Jetzt war die Zeit reif für einen Superheldenfilm mit einer weiblichen Protagonistin – und DARK PHOENIX wartet mit der stärksten, von einer Frau angeführten Story in der Geschichte der X-Men-Filme auf”, sagt Kinberg. Darüber hinaus hatte Kinberg ein Abenteuer im Sinn, das sich, unseren turbulenten Zeiten entsprechend, nuanciert mit der Zeichnung von Gut und Böse auseinandersetzen sollte. Er wollte zeigen, dass sich in einer Person Licht und Schatten finden.

„Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem man das Publikum mit einer verstörenden, radikalen Geschichte konfrontieren kann. Einer, in der der Held seine bösen Seiten zeigen darf, seine Kontrolle verliert, destruktiv ist und sogar zum Mörder wird”, erläutert Kinberg. „Comics und Comicverfilmungen tendieren zur Schwarzweißzeichnung. Die Grenzen zwischen Helden und Schurken sind klar definiert. Wenn also ein Held etwas Böses tut, ist man schockiert. Man weiß nicht, was man davon halten soll“.

„Wir leben augenblicklich in einer Welt, die auf dem Kopf steht – politisch und gesellschaftlich”, fährt er fort. „Die Dinge liegen nicht mehr so einfach wie früher. Es fehlt an Zusammenhalt. Die Gesellschaft scheint auseinanderzudriften. Eine Story über jemanden, der innerlich zerrissen ist, ist entsprechend von logischer Konsequenz. Wir haben hier nun eine Heldin, die die Familie der X-Men in zwei Lager spaltet. Ich finde das überaus relevant.”

Monate bevor er sich hinsetzte, um das Drehbuch zu schreiben, traf sich Kinberg mit der Schauspielerin Sophie Turner, um seine ambitionierten Pläne für das Superheldendrama mit ihr zu besprechen. Turner hatte Jean schon in X-MEN: APOCALYPSE verkörpert, aber X-MEN: DARK PHOENIX würde den „Game of Thrones“-Star vor eine ganz neue Herausforderung stellen.

„Ich erklärte ihr, dass Jean hier zu einer schizophrenen Figur mutiert. Sie verliert ihre Identität, besitzt plötzlich zwei Persönlichkeiten. Als Jean wird sie kleiner und schwächer, als Phoenix größer und stärker“, sagt Kinberg. „Ich erläuterte ihr, dass sie nun jemand war, der unter einem schweren Trauma litt. Sie verliert in ihrer Rolle den Verstand, tötet Menschen, die sie liebt. Das emotionale Spektrum ist enorm.”

Diese Ausgangslage gefiel Turner. Sie war von den neuen Herausforderungen der Geschichte begeistert und freute sich darauf, die Hauptrolle zu übernehmen. „Es war natürlich einschüchternd”, gesteht Turner. „Simon wollte hier wirklich die Story und Jeans Reise in den Vordergrund rücken. Das ist für Superheldenfilme eher ungewöhnlich, weil da ja meist die Effekte und Stunts im Mittelpunkt stehen.”

„Der Kniff der Jean Grey/Dark Phoenix-Story besteht darin, dass sie weder die Schurkin noch die Superheldin ist, die die Welt wie gewohnt retten wird”, fügt Turner hinzu. „Sie ist eine dieser seltenen zerrissenen und gebrochenen Charaktere. Sie ist eine überaus realistisch gezeichnete Person, ihr Zustand erinnert an jemanden, der an einer Geisteskrankheit leidet. Das ist nicht weit hergeholt, die Leute werden das verstehen. Hier geht’s nicht um Schwarz oder Weiß, sondern um die Schattierungen dazwischen. Viele Menschen kennen das, entsprechend werden sie die Figur lieben.”

Nach Kinbergs erstem Meeting mit Turner begann er, ihr Material zuzuschicken, damit sie sich auf ihren Part vorbereiten konnte. „Ich fand jede Menge YouTube-Clips sowie Dokumente, die sich mit Schizophrenie und gespaltenen Persönlichkeiten auseinandersetzten. Die übermittelte ich ihr, damit sie sich zunächst intellektuell mit dem Thema auseinandersetzen konnte. Erst der nächste Schritt würde dann das emotionale Begreifen sein”, sagt Kinberg. „Sie verschlang das Material förmlich und bombardierte mich mit Fragen und Ideen, die sie zur Rolle hatte.”

Der ständige Austausch beeinflusste Kinberg bei seinen verschiedenen Entwürfen des Skripts. Dabei stieß er auf einen weiteren wichtigen Punkt: die Rolle von Charles Xavier, Anführer der X-Men, der ungewollt schuld an Jeans Transformation ist. Zu Beginn des Films genießt Charles seinen privilegierten Status als Anführer der Mutanten – darauf verweist Raven ganz zu Recht – und dass, obwohl er selten an vorderster Front zu finden ist.

„Es gab da viele Dinge, die ich erforschen wollte, Dinge, die wir in unseren Filmen nie zuvor aufgegriffen hatten. Beispielsweise, dass Charles ein Superheldenteam ins Leben gerufen und nach sich selbst ‚X-Men’ benannt hat“, sagt Kinberg. „Er ist ein Typ, der in einem noblen Anwesen lebt, das er selten verlässt, während er andere, zum Teil sehr junge Leute auf gefährliche Missionen schickt. Diesen Aspekt wollte ich untersuchen. Charles besitzt ein sehr starkes, patriarchalisch ausgeprägtes Ego. Das ist ein Umstand, der heute nicht übersehen und zu Recht kritisch hinterfragt wird. Das war in den Comics über die Jahrzehnte kein Thema – und auch in den Superheldenfilmen der vergangenen zwanzig Jahren nicht.”

James McAvoy, der Xavier schon in drei „X-Men”-Filmen gespielt hat, gefiel, dass er diesmal neue Aspekte seines Charakters erforschen durfte. „Charles beginnt selbst an den Hype, den er losgetreten hat, zu glauben”, sagt McAvoy. „Er ziert das Titelblatt des Time-Magazins. Er ist das Gesicht der X-Men – und er streicht den Lohn für ihre Arbeit ein. Er ist auf den Roten Teppichen zu Hause, schüttelt die Hände der Präsidenten. Er ist wie ein Vater, der seine Kinder liebt und glaubt, dass sie alles schaffen können. Das klingt insgesamt sehr positiv. Aber wenn sie andererseits nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen, fühlt er sich von ihnen im Stich gelassen. Er glaubt nämlich, dass das seinem Image schadet.“

Als Charles Ravens Einsprüche ob der interstellaren Rettungsmission ignoriert und das Team ins All schickt, ist Jeans Schicksal besiegelt. Hinzu kommt, dass Jean sich hintergangen fühlt, als sie erfährt, dass Charles in ihrem Gehirn Barrieren eingepflanzt hat, die sie vor schmerzhaften Erinnerungen ihrer Vergangenheit schützen sollen. Dieses neue Wissen macht sie überaus wütend. „Schwere innere Zweifel plagen sie und sie setzt alles daran herauszufinden, was Charles vor ihr verheimlicht”, erklärt McAvoy. „Als sie herausfindet, was er getan hat, ist sie zu Recht zornig – man hat ihr nicht gestattet, ihre schwierige Kindheit selbst aufzuarbeiten. Charles hat sie übergangen und ihre Erinnerungen weggesperrt. Als dieses Trauma in ihr erwacht, verstärkt es die dunklen Mächte, die ihr innewohnen.”

Diese Ereignisse haben ursächlich mit dem Tod von Raven zu tun. Die Entscheidung ihre Figur zu opfern, fiel Kinberg nicht leicht. Aber er war überzeugt davon, dass dies nötig war, um die Story von DARK PHOENIX richtig zu erzählen. Zudem bot ihr Ableben ihm die Möglichkeit, den Konflikt zwischen Charles, Hank (Nicholas Hoult) und Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) zu begründen.

„Als ich über den Film nachzudenken begann, wurde mir klar, dass ich ein wirklich erschütterndes Ereignis brauchen würde, um die Einheit der X-Men zu spalten. Zudem brauchte ich in der Geschichte ein Element, das dazu führt, dass auch die Leute, die normalerweise an Jeans Seite stehen, ihr Handeln hinterfragen“, sagt Kinberg. „Es musste meiner Meinung nach der Tod einer der Charaktere sein. Da landete ich schnell bei Raven – wegen ihres Verhältnisses zu Erik, Charles und Hank. Erik und Hank unterhielten beide mit ihr romantische Beziehungen. Für Charles ist sie wie eine Schwester. Sie umzubringen, würde bei allen dreien Gefühlsstürme auslösen. Obendrein weiß das Publikum ab diesem Punkt, dass alles möglich ist. Niemand ist sicher.”

Parker fügt hinzu: „Es ist einfach so, dass wenn man von einer schweren Familienkrise erzählen will, man auch dazu bereit sein muss, Blut zu vergießen. Man muss die Konsequenzen spüren. Raven ist diejenige, die am ehesten dazu bereit ist, Charles und seine Taten zu hinterfragen. Sie will hinter seine Fassade blicken. Raven ist die Erste, die sich gegen ihn auflehnt, seine Hybris offen anprangert. Ihn für seine Handlungsweise zur Rechenschaft ziehen will. Entsprechend wird sie geopfert. Sie bangt um Jean, will ihr helfen und das führt schließlich zu deren Tod.”

Der Verlust Ravens wirft Hank förmlich um, er wendet sich gegen seinen Mentor Charles und sinnt nach Rache. „Er hat seine Seelenverwandte verloren”, sagt Hoult. „So verändert sich Hank grundlegend, so wie hier hat man ihn in noch keinem anderen X-Men-Film gesehen. Er kocht vor Wut, will Jean um jeden Preis für ihre Untat strafen.”

Chastains Figur, ein Alien in menschlicher Gestalt, die Jean um ihre neugewonnenen Kräfte beneidet, nimmt diese bald unter ihre Fittiche und wird für sie eine andere Art Mentor – anders als dies zuvor Raven oder Charles waren. Sie bestärkt Jean, ihren dunklen Trieben nachzugeben, ermuntert sie, die Leute, die sie umgeben, zu unterwerfen. Warum? Weil ihr Endziel darin besteht, alles menschliche Leben auf der Erde auszulöschen und so ihrer Rasse auf dem Blauen Planeten einen neuen Lebensraum zu verschaffen.

„Als Simon und ich uns erstmals über diese Figur unterhielten, schlug ich ihm vor, sie als jemanden zu zeigen, die keinerlei Gefühle besitzt – was auch immer passiert”, sagt Chastain. „Sie ist 1000 Mal klüger als alle anderen Erdbewohner. Sie kommt hierher, studiert die Menschen und kommt zu dem Schluss, dass diese Bakterien sind. Krebs. Sie sind untereinander eine Gefahr, sie sind eine Bedrohung für den Blauen Planeten. Mit ihrer unendlichen Gier verschlingen sie alles, nehmen auf nichts Rücksicht. Sie ist der Meinung, dass diese Bakterien ausgerottet gehören. Und das meint sie nicht einmal böse. Sie ist nicht auf Rache aus. Sie denkt vielmehr, dass die Menschheit auszurotten eine gute Tat darstellt.”

Kinberg schrieb die Rolle Chastain auf den Leib. Die beiden waren Freunde geworden, nachdem sie bei Ridley Scotts Hit THE MARTIAN („Der Marsianer – Rettet Mark Watney“) – den Kinberg produziert hatte – 2015 kooperiert hatten.

„Als ich darüber reflektierte, dass ich jemanden brauchen würde, der Jean unterstützt und ihr dabei hilft, ihre ganze Kraft zu entfalten, kam mir eigentlich nur Jessica in den Sinn. Ich brauchte jemanden, der stark war, schlau und verführerisch. Jemanden, der nuanciert zu agieren verstand”, sagt Kinberg. „Also schrieb ich Sachen ins Skript, von denen ich meinte, dass sie eine Schauspielerin ansprechen würden. Die Rolle bot Drama, besaß aber gleichzeitig auch feministische und politische Aspekte – das würde meiner Meinung nach Jess interessieren. Ich war mir sicher, dass sie all diese Aspekte perfekt und unaufdringlich umsetzen würde.”

Schon während er am Drehbuch saß, spielte Kinberg mit dem Gedanken, das erste Mal selbst Regie zu führen. Es war für ihn, der als Autor und Produzent schon lange Teil der Filmreihe gewesen war, ein logischer Schritt, hatte er doch schon entscheidend bei X-MEN: THE LAST STAND, X-MEN: FIRST CLASS („X-Men: Erste Entscheidung“, 2011), X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST („X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“, 2014) und X-MEN: APOCALYPSE sowie den beiden DEADPOOL-Abenteuern („Deadpool“, 2016; „Deadpool 2“, 2018) sowie bei LOGAN mitgewirkt.

„Mir war einfach danach, Regie zu führen”, sagt er. „Ich habe schon so lange in diesem Universum verbracht, musste aber erst den für mich wirklich geeigneten Stoff finden. Als ich dann mit dem Schreiben dieses Films begann und über dessen Sujets nachdachte, fühlte ich mich ihm emotional sehr verbunden. Ich war mir nicht nur darüber bewusst, dass ich diesen Film würde inszenieren können, ich hatte das Gefühl, dass ich ihn inszenieren musste. Es war so als hätte man ein Kind, das man einem Fremden überantworten würde – das konnte ich mir nicht vorstellen.”

Die Funktion als Regisseur ermöglichte Kinberg Ton und Tonalität von X-MEN: DARK PHOENIX festzulegen. So konnte er den Film visuell in der wirklichen Welt verankern und den Darstellern ihre Arbeit erleichtern. Sein Ziel bestand stets darin, einen mutigeren, kantigeren, intensiveren und emotional packenden „X-Men”-Film zu realisieren. Einen der primär von seinen Figuren befeuert war und stark um menschliche Probleme kreiste. Die X-Men haben schwer mit Jeans Tat zu kämpfen, sind erschüttert, was aus ihr geworden ist. Ihre Einheit zerbricht, neue Allianzen formieren sich. Aber schlussendlich müssen die X-Men, wollen sie Jean und die Galaxie retten, ihre Differenzen beilegen und für das gemeinsame Wohl zusammenarbeiten.

„In der Tatsache, dass sie sich zunächst gegeneinander wenden und dann doch wieder zusammenfinden, liegt eine gewisse Hoffnung. Die Familie der X-Men ist quasi Botschafter dafür, dass wir gemeinsam durchaus überleben können – seien die Herausforderungen noch so erschütternd und außergewöhnlich”, sagt Kinberg. „Ob wir nun von Ersatzfamilien oder echten Familien reden, das sich Zusammenschließen und ein gemeinsames Ziel verfolgen macht uns stark.

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